Eine Fortbildungsreihe für Leitungen von Erstorientierungs- und „Migrantinnen einfach stark im Alltag“-Kursen

 

Was wollen wir gemeinsam erreichen?

Das Projektziel von „rafiQ – gut begleiten“ ist, Zugewanderte bei dem Prozess des Ankommens in der neuen Heimat zu unterstützen. Dafür schulen wir die Lehrkräfte von Erstorientierungs- (EOK) und „Migrantinnen einfach stark im Alltag“ (MiA) -Kursen mit dem Train the Trainer Empowerment-Ansatz. Wir wollen den Blick für die psychosozialen Herausforderungen nach einer Flucht- bzw. Migrationserfahrung schärfen und eine kritische Reflexion patriarchaler Werte und Normen im Sinne der Demokratie anregen. Zusätzlich sensibilisieren wir die Teilnehmer:Innen für die Auswirkungen von traumatischen Erlebnissen im Fluchtkontext. Außerdem bieten unsere Workshops eine Plattform zum beruflichen Erfahrungsaustausch und für neue Begegnungen mit anderen Trägern.

Menschen brauchen Vorbilder, besonders bei der Ankunft in einem neuen Land. Mit dem Projekt „rafiQ – gut begleiten“ unterstützen wir Sie in Ihrer Rolle als Vorbild für Geflüchtete und Migrant:Innen. Dabei ist die Selbstreflexion eigener Stereotype und die Sensibilisierung für die Lebenswelten der Zielgruppe zentral. Aus diesem Grund kombinieren unsere Projektleiter:Innen ihren Erfahrungsschatz mit soziologischem, pädagogischem und psychologischem Fachwissen, das an die Inhalte der EOK- und MiA-Kurse anknüpft.

Wir interessieren uns für die Herausforderungen Ihres Berufsalltages und möchten gemeinsam mit Ihnen neue Perspektiven der Integrationsarbeit diskutieren sowie Handlungsoptionen erarbeiten.

 


Unsere Workshoptage gliedern sich somit entlang folgender Themen:

  • Workshop 1: emotional ankommen: psychosoziale Effekte von Flucht und Migration

  • Workshop 2: Kultursensibilität, Menschenrechte & Geschlechterrollen zwischen Tradition und Moderne

  • Workshop 3: Erziehungsstile, Schlüsselrolle der Frau & Schutz vor geschlechts- und religionsbezogener Verfolgung (LGBTQ-Geflüchtete & ethnisch-religiöse Minderheiten)

  • Workshop 4: Umgang mit traumatisierten Geflüchteten & Psychohygiene: Wie kann ich mich schützen?


Wie arbeiten wir?

Die rafiQ-Fortbildung 2022 ist eine hybride Veranstaltungsreihe. Das Projekt ist in vier Modul-Workshops gegliedert, die im Ein- bis Zweiwochenrhythmus aufeinander folgen. Pro Workshop können 10-15 Personen teilnehmen. Die Veranstaltungen finden in Seminarräumen der unten aufgelisteten Städte statt und verfügen über eine Live-Übertragung (Zoom) zu den online zugeschalteten Teilnehmer:innen. Mit der Auswahl der Städte bringen wir Netzwerke an Kursleitungen aus bestimmten Einzugsgebieten zusammen. Sie können sich also für eine Teilnahme in Präsenz oder online zugeschaltet anmelden. Im Falle eines anhaltend hohen Infektionsgeschehens sehen wir die Workshops als ausschließliche Online-Veranstaltung per Zoom vor (s.u. WS-Reihe FFM, Start 24.03.). Angemeldete Teilnehmer:innen werden von uns rechtzeitig informiert, ob die Fortbildung als reine Online- oder Hybrid-Veranstaltung stattfindet.
 

Ein Workshop dauert in der Regel vier Stunden und beinhaltet neben Fachvorträgen auch kurze Rollenspiele. Die oben aufgezählten Themen werden von unserem Team eingeführt und im Anschluss mit Ihnen zusammen diskutiert. Durch Ihre Anregungen, Interventionen und Reflexionen können wir die Rollenspiele mit Ihnen zusammen weiterentwickeln und Sie damit in Ihrer Handlungskompetenz in berufsalltäglichen Situationen stärken. In den Workshop-Modulen wird den Teilnehmer:Innen Zeit eingeräumt eigene Fallbeispiele unter fachlicher Begleitung zu diskutieren.
 

Über Telefongespräche treten wir mit einzelnen EOK- und MiA-Trainer:Innen vor den Workshops in Kontakt und evaluieren ihren Fortbildungsbedarf anhand von Fragestellungen zum Kursalltag.

 

Wie sieht das konkret aus?
 

Unsere Fachvorträge führen mit interdisziplinärem Wissen und autobiografischen Berichten in die alltäglichen Dimensionen des Ankommens nach der Flucht oder der Migration ein. Dabei klären wir über patriarchale Erziehungsstile in zugewanderten traditionellen Familien auf und nehmen traumatische Erlebnisse wie intime Gewalterfahrungen in den Blick. Permanent betrachten wir die Rolle der Kultur im Integrationsprozess. Zusammen mit Ihnen wollen wir unter anderem über folgende Fragen diskutieren:

  • Was bedeutet Eigenverantwortung und Selbstbestimmung im Alltag von Migrant:Innen?

  • Wie verhalten sich familiäre Werte und geschlechtliche Rollenmuster unter dem Einfluss der Migration?

  • Welche Erfahrungen machen traumatisierte Geflüchtete und Betroffene von sexualisierter Gewalt auf der Flucht?

  • (Wie) Kann Integration eine sexuelle Emanzipation für geflüchtete Frauen, Männer und LGBTQ-Individuen erzielen?

  • Wie bin ich „kultursensibel“ ohne Menschenrechte zu relativieren oder diskriminierend zu handeln?


Unsere Rollenspiele gehen mit diesen Fragestellungen Hand in Hand. Damit erzielen wir nicht nur einen empathischen Perspektivwechsel der Teilnehmer:Innen, sondern bereiten sie vor allem auf berufliche Situationen vor. Beispielhaft schildern wir kulturelle Irritationen in der Integrationsarbeit und leiten daraus Fragestellungen für ihren Beruf ab, wie beispielsweise: „Wie reagiere ich, wenn weibliche Kursteilnehmerinnen Bewegungsangebote partout ablehnen und Ehemänner für sie die Stimme erheben?“


Zusätzlich erarbeiten wir spezifisch zu den Themen „Umgang mit traumatisierten Geflüchteten und Opfern sexualisierter Gewalt“ ein methodisches Werkzeug der sensiblen Gesprächsführung. Darüber hinaus diskutieren wir mit den Trainer:Innen ihre Erfahrungen der „Nähe und Distanz“ im Arbeitsalltag und vermitteln Handlungskompetenzen im Spannungsverhältnis zwischen professioneller Auftragsklärung und emotionalem Einfühlungsvermögen.
 

Am Ende der Fortbildungsreihe sollen sich die EOK- und MiA-Lehrkräfte als Wegbegleiter für Migrant:Innen in deren neues Leben in einer freiheitlich demokratischen Gesellschaft verstehen. Dabei sind Sie für die lebensweltlichen Belange der Zielgruppe geschärft und können Strategien anwenden, um Zugewanderte den gleichberechtigten Zugang zum gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen und sie in ihrer Selbstentfaltung zu stärken.

Für wen ist das Projekt interessant?

„rafiQ – gut begleiten“ richtet sich an die Leiter:Innen von Erstorientierungs- (EOK) und „Migrantinnen einfach stark im Alltag“ (MiA)–Kursen.



Wann ist rafiQ in Ihrer Nähe?
 

Das Fortbildungsprojekt ist als hybride Veranstaltungsreihe zu verstehen. Da die vier Workshops aufeinander aufbauen, empfiehlt sich die Teilnahme an allen vier Veranstaltungen. Die rafiQ-Workshops finden 2022 in folgenden Städten statt:

Frankfurt am Main:
Die Workshoptage in Frankfurt am Main finden ausschließlich als Online-Webinare statt. Hierfür kooperieren wir mit der EOK-Zentralstelle Hessen des Hessischen Volkshochschulverbandes e.V.. Auf folgenden Seiten können Sie sich ebenfalls über die EOK-Zentralstelle oder über den Hessischen Volkshochschulverband e.V. anmelden.

  • 24.03.2022: Workshop 1

  • 01.04.2022: Workshop 2

  • 13.04.2022: Workshop 3

  • 27.04.2022: Workshop 4

(jeweils von 9:00 Uhr bis 13:00 Uhr)

Anmeldefrist: 01.03.2022
 

Leipzig:

  • 18.05.2022: Workshop 1

  • 02.06.2022: Workshop 2

  • 16.06.2022: Workshop 3

  • 30.06.2022: Workshop 4

(jeweils von 14:00 Uhr bis 18:00 Uhr)

Anmeldefrist: 10.05.2022
 

Berlin: (Präsenzveranstaltungen - Raum wird nach Anmeldung bekannt gegeben.)

  • 15.09.2022: Workshop 1

  • 27.09.2022: Workshop 2

  • 12.10.2022: Workshop 3

  • 21.10.2022: Workshop 4

(jeweils von 10:00 Uhr bis 14:00 Uhr)

Anmeldefrist: 01.09.2022
 

Hannover: (Hybridveranstaltungen - Teilnahme online & in Präsenz möglich)
Die Veranstaltungsreihe in Hannover erfolgt in Kooperation mit der EOK-Zentralstelle Erstorientierungskurse Niedersachsen / Agentur für Erwachsenen- und Weiterbildung (AEWB). Sie können sich ebenfalls über die Veranstaltungsdatenbank der AEWB anmelden.

  • 22.09.2022: Workshop 1

  • 06.10.2022: Workshop 2

  • 03.11.2022: Workshop 3

  • 16.11.2022: Workshop 4

(jeweils von 14:30 Uhr bis 18:30 Uhr)

Anmeldefrist: 01.09.2022

Wie können Sie sich anmelden?
 

Ihre Anmeldungen und Fragen senden Sie gerne an Moritz Pieczewski unter moritz.pieczewski@mind-prevention.com oder 0171 2963125. Nach Ihrer Anmeldung per Mail erhalten Sie ein gesondertes Anmeldeformular mit allen Informationen zum Kursort und zur Agenda der Fortbildungstage. Bitte geben Sie bei Ihrer Anmeldung an, ob Sie online zugeschaltet oder in Präsenz teilnehmen möchten. Treten Sie mit uns in Kontakt, wenn Sie an unterschiedlichen Orten oder sowohl in Präsenz als auch online teilnehmen möchten

 

Unsere Fortbildung ist eine offiziell vom BAMF geförderte Qualifizierungsmaßnahme für EOK- und MiA-Lehrkräfte. Insofern können die Träger die Teilnahme der Lehrkräfte als Fortbildung anerkennen und den Lehrkräften mit der Arbeitszeit und der Vergütung entgegenkommen. Für die Erstattung von anfallenden Reise- oder Übernachtungskosten können Sie gerne mit uns in Rücksprache treten.

 

Wie wird das Projekt ausgewertet?
 

Unser Ziel ist es, die Projekte bestmöglich an Ihre Wünsche und Bedürfnisse anzupassen. Aus diesem Grund brauchen wir Ihre Unterstützung. Dafür möchten wir mit einigen Trägern in einem kurzen Telefoninterview über Ihre Erfahrungen und Herausforderungen des Kursalltags sprechen. Die Auswahl der Gesprächspartner:Innen erfolgt im Zufallsverfahren. Die Teilnehmer:Innen werden proaktiv durch uns kontaktiert.

 

Am Ende der jeweiligen Modul-Workshops erfolgt eine Reflexionsrunde. Das Feedback unserer Teilnehmer:Innen fließt in die nächsten Workshops mit ein, um optimale Ergebnisse zu gewährleisten. Etwa zwei bis drei Monate nach der Fortbildung werden wir Ihnen einen Evaluationsbogen zuschicken und freuen uns über Ihre Erfahrungen und Impulse.
 

Im rafiQ-Mitgliederbereich auf der Website von MIND prevention bekommen die Teilnehmer:Innen nach der Schulung die Möglichkeit tiefer in die vermittelten Inhalte einzutauchen sowie auf Kontakte von diversen Anlauf- und Beratungsstellen der Migrationshilfe zurückzugreifen. Ebenfalls händigen wir nach unseren Fortbildungen analoge Handouts mit den zusammengefassten Inhalten, Handlungsempfehlungen und Anlaufstellen aus.

Wir freuen uns auf Ihre Anmeldungen!

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