Projektziel

Um jugendliche Gefangene, die hinsichtlich einer salafistischen und jihadistischen Beeinflussung besonders gefährdet sind, vor derartigen Tendenzen noch besser zu schützen, bedarf es Maßnahmen, die sich speziell mit bestimmten Wertevorstellungen (z.B. patriarchale Unterdrückung, Gleichberechtigung, Gewalt), Weltbildern (z.B. dualistische Wahrnehmung "wir" vs. "sie") und Kommunikationsmustern (z.B. Tabuisierung bestimmter Themen) offen und direkt auseinandersetzen. Das in Justizvollzugsanstalten (JVAs) des Landes Bayern stattfindende Projekt ReStart bietet Jugendlichen eine Dialogplattform in Form von Workshops, in denen diese Tabuthemen auf Augenhöhe mit Psychologen und Pädagogen angesprochen werden. Den Teilnehmern soll dazu verholfen werden, ihre eigenen Haltungen kritisch zu hinterfragen. 

 

Derartige, teils kontroverse Inhalte können jungen Menschen nachhaltig vermittelt werden, wenn die Gespräche und Diskussionen "auf Augenhöhe" geschehen. Denn die Erfahrungen zeigen: Schwierige Themen und Inhalte werden von Gleichaltrigen mit gleichem sozialen bzw. kulturellem Hintergrund überzeugender vermittelt, als durch Erwachsene. Die Workshop-Leiter stellen mit ihrer eigenen Biographie und Persönlichkeit Vorbilder aus der eigenen Community dar, wie man als Migrant und Muslim in Deutschland ankommen kann.

Zielgruppe

Zielgruppe sind Jugendliche und junge Menschen mit Flucht- und/oder Migrationserfahrungen aus muslimisch und patriarchal geprägten Heimatländern, die in Justizvollzugsanstalten des Freistaates Bayern inhaftiert sind.

Ablauf des Projektes

Die Workshops werden von einem Team aus drei bis vier Personen (Pädagogen, Psychologen) mit Migrationshintergrund durchgeführt. Ein Workshop dauert in der Regel drei Stunden und beinhaltet kurze Rollenspiele, die dazu dienen, Themen anzusprechen und zur Diskussion darüber anzuregen. Die Workshops sollen begleitetes Entdecken fördern und einen Raum schaffen, in dem die Jugendlichen ihre Meinung äußern können, ohne dafür verurteilt zu werden. Diese Meinungen werden dann im Anschluss durch Hinterfragen, mit Empathie und Emotionalität diskutiert und in Frage gestellt.

Themen des Workshops:
  • Werte: Geschlechterrollen und religiöse Geschlechterverhältnisse, Männlichkeit, Ansehen in der Gruppe, Druck und Anerkennung, Gewalt

  • Patriarchalische Strukturen - auch in Bezug auf unterschiedliche Islam-Verständnisse

  • Erziehung in den Familien

  • Antisemitismus, speziell muslimische Formen des Antisemitismus, Opfer- und Feindbilder, Schwarz-Weiß-Bilder und Verschwörungstheorien

  • Aktuelle politische Themen in Bezug auf Islamismus und Salafismus

  • Identität

  • Kritisches Denken, Hinterfragen von Dogmen

 

Peer-Education

Dem Workshop liegt das pädagogische Konzept der Peer-Education zu Grunde. Peer-Education-Strategien sehen den Einsatz speziell geschulter Jugendlicher und Pädagogen vor, die in einer Gruppe Gleichaltriger oder mit ähnlicher soziodemographischer Herkunft spezielle Themen bearbeiten. Dem liegt die Annahme zugrunde, dass jugendliche Lehrpersonen einen größeren Lehrerfolg erzielen können, da Inhalte von Gleichaltrigen anzunehmen Jugendlichen häufig leichter fällt, zumal so eine wesentlich stärkere Orientierung an ihrer eigenen Lebenswelt möglich ist.

 

Dabei wird als positiver Nebeneffekt der Multiplikatoreneffekt angestrebt, wonach nicht nur die geschulten Peers die Gruppe informieren, sondern auch die Teilnehmer wiederum in ihren jeweiligen Peergruppen dieses Wissen weitervermitteln. So kann die bisherige Zielgruppe zum neuen Multiplikator werden.  

Evaluation

Zur kontinuierlichen Verbesserung und Differenzierung des Workshops werden im Anschluss an die Veranstaltung Nachgespräche mit Verantwortlichen der jeweiligen Anstalt geführt und der Ablauf gemeinsam bewertet. 

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